Die Küste von Vitória begrüßt uns mit abwechslungsreichen Bildern: während wir noch in Sichtweite der Stadt auf den „Pilot“ warten, der uns durch die Küstengewässer bis in den Hafen lotsen soll, können wir Wale beim Auf-, Abtauchen, Springen und Drehen beobachten. Ein wundervolles Spektakel!
Bei der Einfahrt in die Gewässer von Vitória stellt sich zum ersten Mal ein richtiges Urlaubsgefühl ein und es wird quasi visuell greifbar, dass wir mittlerweile ziemlich weit von Europa entfernt sind. Die Küste besteht aus einem wilden Mix glitzernder, moderner Hochhäuser, bunter, kleiner Hütten, hier und da ein Strand, kleine grüne Inseln im türkisen Meer, vor uns taucht eine hohe, lange Brücke auf und immer wieder fahren wir sehr dicht an beeindruckenden Felsformationen vorbei.
In Vitória angekommen, nehmen wir gemeinsam mit Maria-Carmen und Julien unseren nächsten Landgang in Angriff, verlassen wieder mit einer blassen Kopie unseres Reisepasses das Hafengelände und steigen ins nächste Taxi ein. Mit uns hat auch ein Teil der Crew Landgang, die anscheinend bestens seit Jahren mit den „Taxistas“ bekannt ist (das Bild von „in jedem Hafen eine Braut“ können wir hiermit bestätigen!).
Unser Wunsch ist es, irgendwo in Vitória in einen Kaffee zu trinken und Internet zu haben, um ein Lebenszeichen nachhause schicken zu können.
Ok. Das Taxi fährt los.
Aber zuerst geht´s zum Geldwechseln in eine dubiose, überdachte Häuserpassage am Rande des Zentrums. Es gibt hier mehrere kleine Läden, teilweise mit langen Warteschlangen. Julien und Burkhard schauen sich ratlos an und reihen sich in die erstbeste ein, bis sie vom Taxista – der mittlerweile Stewart, Koch und Kadett der Grande Nigeria, die ebenfalls hier sind, herzlich begrüßt hat – kopfschüttelnd an den richtigen Schalter (ohne Schlange) gestellt werden. Die gut besuchten Schalter sind allesamt Loterías und anscheinend in Brasilien sehr beliebt.
Auf einer rasanten Fahrt zwischen Autos, LKWs, Eselskarren und Motorradfahrern entfernen wir uns anschließend merkwürdigerweise immer weiter von Vitória-City. Auf Nachfrage teilt uns der Taxista mit, dass seiner Meinung nach der beste Platz in der Stadt für Kaffeetrinken und WIFI die moderne Shopping-Mall außerhalb Vitórias sei. Vitória selber sei zu heiß, zu schmutzig, zu altmodisch, zu gefährlich und überhaupt… (- und wahrscheinlich auch viel zu nah am Hafen und somit finanziell uninteressant).
So landen wir also vorerst in einem auf Kühlschranktemperatur klimatisierten Einkaufszentrum mit vielen Läden, u.a. auch einer Lotería inkl. Warteschlange, Restaurants (Mc Donalds, Burger King und Co), einer brasilianischen Bierstube und WIFI (funktioniert allerdings nur sehr mäßig…).
Uns der neuen Situation anpassend, schwenken wir daher spontan von Kaffee auf Bier um und trinken uns durch die verschiedenen brasilianischen Biersorten. Auch schön. Und lecker! Wer braucht schon das „Centro historico“ von Vitória?*
Als unser Taxista uns nach ein paar Stunden tiefgekühlt und bierselig im Einkaufszentrum wieder abholt, beschließen wir diesmal, genauer zu wünschen:
wir wollen in ein sehr gutes Restaurant mit brasilianischem Essen, am besten Fisch und zwar IN Vitória! Und siehe da, diesmal klappt´s!
P.S.:
Mittlerweile habe ich mir von Biljana den Dumont-Reiseführer Brasilien ausgeliehen. Und was steht da drin?
Vitória sei quasi die Miniaturausgabe von Rio, das historische Zentrum sehr sehenswert und das Leben sei für brasilianische Verhältnisse ruhig und geregelt, z.B. fährt bei Rot niemand über die Ampel (naja, letzteres können wir von unserem Fahrer jetzt wirklich nicht behaupten…). Schade – vielleicht beim nächsten Mal. Aber das Einkaufszentrum kennen wir schon mal.
P.P.S.:
Und um den Ruf unseres Taxifahrers zu retten: laut Dumont waren wir wirklich im besten Fisch-Restaurant der Stadt essen! Und es war richtig klasse!