Frei nach dem Motto „In Kolumbien fährt immer irgendwas irgendwohin!“ machen wir uns sehr früh am Morgen auf den Weg zu der Insel, die keiner kennt und hangeln uns von Provinzhauptstadt zu Provinzhauptstadt -wahlweise mit einem Schnellboot, einem Sammeltaxi, einem Bus, Motorrad-Taxis u.ä. (Für die, die es genauer wissen wollen, unsere Stationen waren: Mompox – Bodega -Magangué – Sincelejo – Lorica -Paso Nuevo)
Nach ca. sieben Stunden erreichen wir so schon am frühen Abend unsere nächste Unterkunft an der karibischen Küste in der Region Córdoba.
Perfekt! Nichts los. Wir sind die einzigen Gäste, haben einen schönen Blick aufs Meer, es weht immer eine frische Brise und unser direkter (und ebenfalls einziger) Nachbar betreibt eine kleine Strandbar! Wir beschließen, ein paar Tage zu bleiben, bevor wir zur Isla Fuerte übersetzen.
Unsere Gastgeber sind sehr freundlich und bereiten abends typisch karibische Küstengerichte zu: gegrillter Fisch mit patacónes (frittierte Fladen aus grünen Kochbananen) oder Maniok und Kokosreis. Zu Trinken gibt es agua de panela (Wasser mit unraffiniertem Rohrzucker) bzw. jugo con agua (Fruchtsaft mit Wasser).
Anschließend gehen wir zum Nachbarn, trinken eisgekühlten Rum, hören Cumbia und schauen auf´s Meer.
Zufälligerweise ergibt sich die Gelegenheit, mit dem Kanu durch die angrenzenden Mangrovenwälder zu paddeln und die Gegend etwas anzuschauen.
Am nächsten Tag, einem Donnerstag, setzen wir zur Isla Fuerte über. Das Holzboot macht allerdings keinen besonders vertrauenserweckenden Eindruck.
Auch der Motor schwächelt und fällt auf halber Strecke ganz aus. Eigentlich soll die Überfahrt 30 Minuten dauern, aber aufgrund der hohen Wellen und unseres Umkehrmanövers samt Bootswechsel, dauert die Fahrt mindestens dreimal so lang. Der Motor des zweiten Bootes ist stärker, aber die See ist rau und wirft uns ziemlich heftig hin und her. Wenigstens hat das Wasser Badewannen-Temperatur.
Klatschnass kommen wir auf der Insel an und trocknen zuerst einmal unsere wichtigsten Sachen… (dabei stellen wir fest, dass wir blöderweise unsere Reisepässe und Flugtickets in der Nachtischschublade unserer vorherigen Unterkunft vergessen haben…- was absolut dem südamerikanischem Vorurteil des gut organisierten Deutschen widerspricht…)
Diesmal beziehen wir in einer familiär geführten Herberge ein Zimmer mit Wänden aus Brettern & Palmdach + Gemeinschaftsbad im Erdgeschoss. Der einzige Luxus hier ist ein großer Ventilator (den man bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 29 Grad auch dringend braucht!).
Vor unserem Zimmer auf einer kleinen Veranda sind Hängematten aufgespannt auf denen wir dösend im Schatten schaukeln und das Dorfleben beobachten können. Die Insel wirkt sehr beschaulich:
Hühner scharren im Staub, ab und zu klingelt ein Fahrrad (Autos gibt es hier nicht), Frauen balancieren große Schalen mit Obst auf dem Kopf, Kinder spielen auf dem Weg, gegenüber wird an einem Straßenstand irgendwas frittiert…
So haben wir uns die Karibik vorgestellt! Alles sehr gechillt.
Plötzlich taucht auf dem schmalen Weg vor unserer Unterkunft ein Mann mit Megaphon auf und verkündet lauthals, dass heute auf dem Marktplatz Kondome verteilt werden – man hört ihn durchs ganze Dorf. Sehr merkwürdig. (Im Nachhinein erfahren wir, dass einmal pro Jahr ein medizinischer Dienst die Insel besucht, um die Inselbewohner zu impfen bzw. Medikamente und andere wichtige Dinge (z.B. Kondome) zu verteilen.)
Am Nachmittag bekommen wir die erste Gelegenheit zum Schnorcheln. Dank des Korallenplateaus auf dem die Insel sich befindet kann man das hier sehr gut.
Abends liegen wir mit einem Gläschen Rum in der Hand in unseren Hängematten und schauen den Sternenhimmel an. Es ist friedlich und still auf der kleinen Insel. Was wir nicht wissen- es ist die Stille vor dem Sturm…
Am nächsten Tag stehen wir früh auf, um die Insel ( ca. 3 qkm) zu erkunden.
Über Trampelpfade bzw. schmale, schattige Hohlwege erkunden wir das Inselinnere. Eine Inselsehenswürdigkeit ist ein 600 Jahre alter Kapokbaum, genannt „La Bonga“, eine andere ist ein 150 Jahre alter „Stinkbaum“ namens TunTun. Klopft man an seine Brettwurzeln, soll weithin ein „tun tun“ ertönen. Außerdem gibt es noch einen alten Ficus, der kathedralengleich wuchert, die ein oder andere schöne Bucht und eine ehemalige Piratenhöhle, die mittlerweile von Fledermäusen bewohnt wird.

Auf dem Weg zurück zum Hafen durchqueren wir wieder das Dorf. Vor vielen Häusern sind jetzt große Lautsprechertürme aufgebaut, Tische werden gedeckt und auf den Straßen ist geschäftiges Treiben. Als wir zu unserer Unterkunft gelangen, ist offensichtlich , dass sich das Dorf merklich mit Besuchern gefüllt hat. Waren wir bisher die einzigen Gäste bei Rafael & Lilli, ist mittlerweile jedes Zimmer belegt.
Direkt neben uns wohnen jetzt Alberto und Andres aus Medellin. Beim gemeinsamen Abendessen erzählen sie uns, dass die Insel in Medellin zum Feiern sehr beliebt ist. Und da dieses Wochenende sogar ein langes Wochenende ist… – das erklärt die Lautsprechertürme und wir ahnen schon, dass während der nächsten Tage südamerikanisch, d.h. richtig laut und ausgelassen, gefeiert wird.
Ja, und genauso war es.
Die Boxen im ganzen Dorf wurden bis zum Anschlag aufgedreht (natürlich jede mit anderer Musik), so dass mehrfach die Generatoren (und damit leider auch die Ventilatoren) ausfielen und Aguardiente (Feuerwasser) und Rum floss in Strömen.
La noche no es para dormir (Die Nacht ist nicht zum Schlafen da )!